|
| |
|
Fünf Deutschland und ein Leben: Erinnerungen von Fritz SternTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 12,90, Angebote ab EUR 7,37 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3423345616, Erscheinungsdatum: Sept. 2009 |
Aus der Amazon.de-RedaktionFritz Stern, 1926 in Breslau als Sohn zum Protestantismus konvertierter deutscher Juden geboren und 1938 mit seinen Eltern vor den Nazis in die USA emigriert, ist einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts. Dass er zugleich ein großer Schriftsteller ist, der fesselnd zu erzählen weiß, belegt seine überaus lesenswerte Autobiografie Fünf Deutschland und ein Leben. Darin rekapituliert Stern neben seiner eigenen Lebensgeschichte und der Geschichte seiner Familie zugleich die Geschichte der nicht weniger als fünf deutschen Staaten, die er während seines Lebens aus der Nähe und der Ferne studieren konnte. Jahrzehntelang, bekennt der Autor, habe er davor zurückgeschreckt, über seine privaten Erfahrungen zu schreiben -- er ?wollte das Fachliche und das Persönliche säuberlich getrennt halten?. Doch nachdem er zum ersten Mal wieder in seiner seinerzeit deutschen Geburtsstadt gewesen sei, die nun zu Polen gehörte, schrieb er darüber einen persönlichen Bericht für seine Kinder. Überschrieben war dieser Bericht ?Heimkehr 1979?: ein Titel, der, wie ihm später bewusst wurde, zumindest voller Ironie war, vielleicht sogar Ausdruck einer Selbsttäuschung. Dass er nach all den Jahren seine Geburtsstadt besuchte, erklärt sich der Autor damit, dass er sich wohl ?aus irgendeinem Grund davon überzeugen musste, dass mein Elternhaus zerstört war und das Land meiner Geburt nicht mehr existierte?. Sein Verlustgefühl, so der Autor weiter, sei überlagert gewesen von einer alles beherrschenden Dankbarkeit dafür, dass er in den Vereinigten Staaten eine zweite, bessere Heimat gefunden hatte. Immerhin: Mit diesem Bericht, den Stern im Einführungskapitel dieses Bandes abdruckt, hatte er erstmals sein Prinzip einer strikten Trennung von Fachlichem und Persönlichem gebrochen. Und zum Glück für uns Leser tut er dies auch in diesem Buch, dessen Lektüre sich durch die kluge und erzählerisch gekonnte Verknüpfung von fachlichem Wissen und persönlicher Erfahrungen zu einem beeindruckenden Bildungserlebnis weitet. -- Hasso Greb 4 Kundenrezensionen:Pflichtlektuere 3 von 5 PunktenHabe mit dem Buch schnell gestartet und wurde immer langsamer. Je weiter ich im Buch kam, so nachdenklicher, ja verwirrter wurde ich. Gelesen haben muss man dieses Buch, als sagen wir mal "Deutsche Geschichte als Crashkurs" ! Die Alternative waeren so ca. 15-20 andere Schmoeker. Allerdings wuenschte ich mir mehr tiefergehende und neutralere Betrachtungen. Vieles ist absolut subjektiv (immer wieder: "wir wurden gute Freunde"!) ueber die unterschiedlichen Personen dargestellt. Nichts ueber die raketenhafte Installation des Nazionalsozialismus. "Wofuer Mussolini 3 Jahre brauchte, schaffte Hitler in 3 Monaten"! Wie? Keine Antwort. Nichts ueber die Verflechtung der Finanzwelt in alle diversen Kriege. So gegen Ende des Buches erfaehrt man denn, dass FS auch Kontakte mit den Rothschilds hat. Und nur Lobhudeleien ueber Holbrook, der nahezu ueberall auf der Welt amerikanische (Oel-) Interessen mit militaerischen Mitteln durchzusetzen versucht. Nichts ueber den Umstand, dass Deutschland bis heute keine Verfassung hat (nicht zu verwechseln mit unserem Grundgesetz),dass die DDR quasi annektiert wurd, keine klaren Friedensvertraege mit anderen Staaten. Wenn mal also weiss, wie gerade im 20.Jahrhundert das "Geld regiert die Welt" brutalst von wenigen Reichen exerziert wurde, muss man enttaeuscht sein ueber dieses Buch. Und ich bin sicher, dass gerade Stern, der wirklich einen sehr weiten und interdisziplinaeren Blickwinkel hat, es besser weiss. Muss man nicht unbedingt lesen, ... 4 von 5 Punkten... ich finde aber, man sollte es lesen. Man muss es nicht lesen, wenn man auf Spannung aus ist oder auf ganz neue Enthüllungen. Man sollte es aber lesen - in der englischen Originalausgabe oder in der deutschen Übersetzung - wenn man sich für Deutschland und seine jüngere Geschichte interessiert. Dabei ist es kein Geschichtsbuch: Im Untertitel wird es zutreffend als 'personal history' angekündigt - und genau diesen Anspruch löst Stern ein. Es ist die Geschichte eines Menschen, , die Autobiographie eines Historikers, die auf vielfältige Weise mit 'Five Germanys' innerhalb des zwanzigsten Jahrhunderts verbunden ist, die er erlebt und / oder erforscht hat. Stern hat als Kind die Weimarer Republik erlebt, als Jugendlicher das Aufkommen des Faschismus, als junger Emigrant in den USA den Zweiten Weltkrieg, als Erwachsener und Wissenschaftler, die kurze Periode zwischen 1945 und 1949, "when there was no Germany", und dann die beiden deutschen Staaten während der vierzigjährigen Teilung. Und schließlich mit viel kritischer Sympathie die Wiedervereinigung und das neue vereinigte Deutschland. Doch: Wenn man die nötige Zeit für diese gut 500 Seiten hat, dann ist das ein sehr lesenswertes Buch. Spannend, lehrreich, sehr gut zu lesen 5 von 5 PunktenIch habe dieses Buch bei einem Freund gesehen und, nachdem ich darin geschmökert habe, es selbst gekauft. Es ist sehr spannend zu lesen und vermittelt viele neue Erkenntnisse über die unmittelbare Vergangenheit und Gegenwart Deutschlands. Auch die beschriebenen Persönlichkeiten aus dem persönlichen Umfeld der Familie Stern machen das Buch interessant. Hier schrieb kein "trockener" Wissenschaft ein noch "trockeneres" Buch, sondern fast eine Unterhaltungslektüre, allerdings mit realem und - besonders was die Nazizeit anbelangt - auch erschütterndem Bezug. Meine Empfehlung: Unbedingt lesen! unreflektiert 2 von 5 PunktenIch will hier nur auf die Jugend von Fritz Stern eingehen. Er hat in Breslau Schlimmes erlitten, nennt es daher nur noch mit polnischem Namen. Nun erwähnt er aber hier insbesondere seine Schulzeit auf dem Gymnasium, dessen Direktor mein Großvater Konrad Linder war. Dieser war Mitglied der bekenneden Kirche, wusste genau um die schwierige Situation der Familie Stern und hat sich alle Mühe unter Gefahr gegeben, die Schulzeit einigermaßen beschützt für ihn zu gestalten. Unvorsichtigerweise hat mein Großvater Herrn Stern dieses bei seiner Verabschiedung sogar mitgeteilt. Seine damalige Antwort gibt er selbst 70 Jahre später unreflektiert wieder. "Davon habe ich nichts gemerkt". Wir haben Herrn Stern in einem persönlichen Schreiben auf diese Tatsache hingewiesen, daraufhin hat er er die Tatsache zugegeben , auch dass seine Eltern um diemoralische Integrität meines Großvaters genau wussten,und ihn dort einigermaßen sicher aufgehoben wähnten. In seinem Buch entsteht ein ganz anderer Eindruck. Ich halte das für unfair und einem Historiker für absolut unagemessen, der damit sein eigenes Werk entwertet. |
|
|
Unser Jahrhundert: Ein Gespräch von Helmut Schmidt, Fritz SternGebundene Ausgabe von C.H. BeckPreis bei Amazon: EUR 21,95, Angebote ab EUR 14,89 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3406601324, Erscheinungsdatum: Februar 2010, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionNicht schon wieder! Gibt es denn außer Helmut Schmidt (oder Richard von Weizsäcker) wirklich niemanden, der kompetent und umfassend über das 20. Jahrhundert Auskunft zu geben vermag? Bei aller Wertschätzung ist der Altkanzler doch nun wirklich im vergangenen Jubeljahr anlässlich seines Neunzigsten mehr als ausführlich zu Wort gekommen. Doch gemach! Schließlich hat da ja noch ein Anderer am Gesprächstisch gesessen. Und was für einer. Nicht ganz so alt an Jahren zwar, aber was Weisheit und Lebenserfahrung angeht, seinem Gesprächspartner in jeder Hinsicht ebenbürtig. Zudem als Sprössling einer deutsch-jüdischen Emigrantenfamilie und als führender US-Historiker sozusagen qua Geburt und Profession Experte für alles, was das zurückliegende Jahrhundert an Leben, Leiden und Lehren bereithielt. Dementsprechend handelt es sich bei dem Gespräch, das hier dokumentiert wird, um alles andere als um den Austausch von Höflichkeiten und das Schwelgen zweier Greise in den Erinnerungen an gute wie schlechte, alte Zeiten. Zwar ist Fritz Stern seinem unverhohlen bewunderten Gegenüber seit über drei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden. Doch die Beziehung der Beiden ist nicht zuletzt aufgrund der geographischen Distanz dann doch nicht so innig, als dass der Eine den Anderen ohnehin in- und auswendig kennt. Davon kann der Leser profitieren. Denn so entspinnt sich eine äußerst lebhafte Diskussion, weit davon entfernt, sich gegenseitig nur mit Stichworten zu bedienen. Hier sitzen sich zwei Persönlichkeiten auf Augenhöhe gegenüber. Gleichermaßen belesen und eloquent, scheuen sie auch nicht davor zurück, dem Anderen Paroli zu bieten oder sogar in die Parade zu fahren ? was sich ja insbesondere in Anbetracht der berühmt berüchtigten Apodiktik Helmut Schmidts in einem echten Disput kaum vermeiden lässt. Geradezu rührend andererseits, wie Fritz Stern in solchen Fällen den Freund behutsam aber bestimmt auf den Boden zurückholt, wenn sich der einmal verstiegen hat: wenn er beispielsweise das Hohelied auf den Keynesianismus des NS-Chefökonomen Hjalmar Schacht anstimmt oder über die genetische Disposition der Deutschen zum Massenmord sinniert. Insgesamt eine ebenso spannende wie lehrreiche Geschichtsstunde, in der nicht nur die Vergangenheit Revue passiert, sondern auch die Probleme der Gegenwart nicht zu kurz kommen. ? Arnold Abstreiter 4 Kundenrezensionen:Ein großes Vergnügen! 5 von 5 PunktenEines vorweg: die heutigen "Spezialdemokraten" haben mit Helmut Schmidt (leider) so gar nichts mehr gemeinsam! Wer nur ein bißchen geschichts- und politikinterssiert ist, wird mit diesem famosen Buch auf seine Kosten kommen. Der spürbare Respekt des einen vor dem anderen, der selbst gesetzte Rahmen (Zeiten, Ort), all das macht die Lektüre angenehm, höchst informativ und kurzweilig. Politisch kann man stehen wo man will, es nötigt Respekt ab, WIE die beiden Protagonisten Schlüsse ziehen, Meinungen vertreten, streiten und voraus blicken. Bin begeistert! Lebensweisheit und gelebte Geschichte 5 von 5 PunktenDrei Tage nahmen sich zwei alte Freunde im Jahre 2009 Zeit, um ein Gespräch zu führen. Ein besonderes Gespräch, dessen Besonderheit allein schon in den beiden miteinander sprechenden Personen zu finden ist. Fritz Stern, Historiker und Helmut Schmidt, Altbundekanzler und anerkannter Elder Statesman mit hoher internationaler Reputation. Drei Vormittag und drei Nachmittage, in denen sie gemeinsam das 20 Jahrhundert Revue passieren lassen. Je ihre Erfahrungen und Interpretationen der Zeitgeschehnisse im Gespräch miteinander teilen, bewerten und mögliche Lehren aus der Geschichte gemeinsam ziehen. Vom "Maulhelden" Kaiser Wilhelm II (H.Schmidt) über vertane Chancen der Weimarer Republik, über die Zeit des zweiten Weltkrieges, die junge Bundesrepublik, das transatlantische Bündnis, das zueinander wachsende Europa bis zur Gegenwart. Zwei Freunde, die es beide verstehen, pointiert auf den Punkt genau zu argumentieren und die beide aus einem hohen Sachverstand einerseits und einer reichhaltigen Fülle von Lebenserfahrungen andererseits zu schöpfen vermögen. Beste Zutaten und Voraussetzungen also für einen weiten und breiten Blick auf festem Fundament. Voraussetzungen, die beide nicht .enttäuschen, ganz im Gegenteil. Selten öffnete der privat eher wenig zugängliche Helmut Schmidt den Blick in der hier vorliegenden, intensiven Form auf seine Kriegsjahre. Erfahrungen, Erlebnisse, Bewertungen, in denen er sich mit Fritz Stern durchaus einig ist. Eine Einigkeit, die natürlich bei zwei solche eigenständige Charakterköpfen sich nicht über alle Themen des Buches hinweg zieht. In der Bewertung des schriftlichen Nachlasses Helmut Schmidts vertreten beide andere Standpunkte, ebenso, und das fundamental, in der Bewertung des Verhältnisses der deutschen Bevölkerung der Nazi Zeit im Blick auf den Holocaust. Stern beharrt, völlig zu Recht, auf einem "Gewusst haben müssen" der Deutschen der damaligen Zeit. Gerade die eigenständig und jeweils persönliche Stärke beider Beteiligter ist der besondere Reiz dieses Gespräches. Allzu oft treten Interviewer und Moderatoren Helmut Schmidt äußerst servil gegenüber, kaum mehr als reine Stichwortgeber. Sicher hat es immer einen Reiz, Vorträge aus dem Mund des großen Mannes zu hören und natürlich ist auch in diesem Buch allzeit die Persönlichkeit des Altbundeskanzlers präsent, so sehr, dass man fast vermeint, ihn sprechen zu hören, während man liest. Hier aber hört (liest) man ihn in einem Gespräch auf Augenhöhe. Eigenständige Erinnerungen, Argumente, Beiträge, Betrachtungen kommen von beiden Seiten, ein lebhafter Austausch, der zu keiner Zeit langweilig wird. Eine Lebhaftigkeit durchzieht das Buch, die allzeit zu spüren ist. Assoziationen treten neben altbekannte und geschliffene Formulierungen, ein gegenseitiges Herantasten an manchen Stellen (das heikle Thema Israel) stehen neben Gesprächsabschnitten fast im Vortragsstil. Dass vor allem Helmut Schmidt, letztlich aber beide Gesprächspartner keine sonderliche hohe Meinung von der gegenwärtigen politischen Lage und den handelnden Politikern besitzen, wird zudem äußerst deutlich. Ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument zweier starker Menschen, die sich auf Augenhöhe in entspannter Form begegnen und eine Fülle informativer und fundierter Betrachtungen ihrer gelebten Lebensgeschichte und der vielen daran Beteiligten Personen in den Raum stellen. Zudem zweier Persönlichkeiten, die klare Standpunkte und begründete Meinungen offensiv vertreten. Ein Gewaltmarsch durch die Geschichte unseres Jahrhunderts 4 von 5 PunktenDie Helmut Schmidt Welle rollt weiter und jedes Apercu des hanseatischen Altkanzlers hat mittlerweile Offenbarungscharakter. Nach Erfolgstiteln wie "Außer Dienst" und den "Zigarettengesprächen" mit Giovanni di Lorenzo sieht sich deshalb auch der Beck Verlag in der unternehmerischen Pflicht, die Galionsfigur der politischen Öffentlichkeit noch einmal zu Wort kommen zu lassen. Die fühlt sich in den Verlagsräumen als Mitherausgeber einer historischen Reihe ohnehin heimisch. Und so überrascht es kaum, dass sich "Unser Jahrhundert" mittlerweile seit Wochen hartnäckig in den Bestsellerlisten hält. Für dieses Projekt hat sich der beliebteste Kettenraucher und Aufklärer der Republik einen würdigen Gesprächspartner eingeladen. Der renommierte Historiker Fritz Stern wurde 1926 als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Arztes in Breslau geboren und emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten. An der Columbia University avancierte er zur Koryphäe auf dem Gebiet der Neueren Geschichte. Die Versuchsanordnung ist ebenso einfach wie einträglich: Bewaffnet mit einigen Notizen fanden sich die Freunde im Sommer 2009 in der Schmidtschen Residenz am Brahmsee ein. Es folgte ein dreitägiger Gesprächsmarathon, der auf Anraten der Journalisten Nina Grunenberg aufgezeichnet wurde. Hieraus entstanden knapp dreihundert Seiten mit dem ebenso lakonischen wie ehrgeizigen Titel Unser Jahrhundert. Mit epikureischer Weitsicht begeben sich die beiden Weltbeobachter auf einen Gewaltmarsch durch die Geschichte, der seinesgleichen sucht. So spannen sie einen Bogen vom Scheitern der Weimarer Republik über die Rolle der USA beim Wiederaufbau Europas bis hin zur deutschen Wiedervereinigung. Ganz nebenbei thematisieren sie unter anderem die Finanzierung des Sozialstaats, erörtern die Dimensionen der Finanzkrise und spekulieren über die Rolle der Deutschen in der EU. Im Vordergrund steht dabei immer das Verhältnis zwischen deutscher und amerikanischer Politik, so etwa beim Vergleich der amerikanischen Verfassung mit dem deutschen Grundgesetz. Die immense Sach- und Personenkenntnis der beiden sind bisweilen so gewaltig, dass sich der schwindelige Lesern gern an seinem Brockhaus festklammern möchte. Von Montesquieu bis Ahmadinedschad, von Alexander dem Großen zu "Wie heißt er noch?"- Guido Westerwelle, hier wird einem jeden sein Platz zugeteilt. Angesichts der aufwendigen Ausstattung des Buches wäre ein Glossar aber wohl nicht zu viel verlangt gewesen. Sowohl der Pragmatiker Schmidt als auch der Theoretiker Stern machen keinen Hehl daraus, dass ihre Urteile nicht bis ins Letzte begründet sind und dass der Text keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Insofern ist Unser Jahrhundert kein Geschichtsbuch, sondern ein Plädoyer für Geschichtsbewusstsein. Hier debattieren zwei Zeitzeugen, die um Ihre Erfolge und Fehler wissen und auch nicht davor zurückscheuen, mit sich selbst und anderen hart ins Gericht zu gehen. So offenbart Schmidt: "Es gehört zum politischen Handwerk, das man über Lügen hinwegpfuscht." Stern: "Haben Sie das auch getan?" Schmidt: "Natürlich. Nur Professoren haben das nicht nötig." Entsprechend authentisch und sympathisch wirken die beiden Monumente ihrer Zeit, wenn sie auch vor heiklen Themen nicht die Augen verschließen und ihrerseits nach Antworten ringen. Gab es einen spezifisch deutschen Antisemitismus? Wie war der Holocaust mitten in Europa überhaupt möglich? Diese Fragen bilden den Kern des Gesprächs und führen den Leser tief hinein in die deutsche Geschichte von Preußen nach Weimar, vom Primat des Militärischen bis zum Versailler Vertrag. Der Politiker und der Historiker liefern verschiedenste Erklärungsversuche, geraten in Dissens über die Mitwisserschaft der Deutschen an den nationalsozialistischen Verbrechen und müssen schließlich doch vor der Nichterklärbarkeit kapitulieren. Angesichts der jüngsten politischen Ereignisse fällt auch auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ein neues Licht. In Abgrenzung zur amtierenden Regierung betont Schmidt, dass Deutschland keine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe. Zwar scheut er sich nicht vor ignoranten Anfeindungen, weiß aber um die politische Brisanz und schlägt vor: "Lassen Sie uns das Thema verlassen, Fritz, da kommt nichts Positives mehr raus." Auch wenn sich hinter dieser und ähnlichen Äußerungen eine gewisse Resignation vermuten ließe wird deutlich, dass man hier keiner Elegie eines Kulturpessimisten lauscht. Aus seinem Geschichtsbewusstsein heraus betont Schmidt geradezu die Neugierde auf die Gegenwart und seine Lust an der Einmischung. Wenn diese hier und da einmal zu plakativ daherkommt, wagt es der Historiker auch schon einmal, der Schmidt-Show Einhalt zu gebieten, was der Qualität des Gesprächs zu Gute kommt. Zum Untertitel "Ein Gespräch" liest man im Nachwort: "Alles aber was ein lebendiges Gespräch ausmacht, das Kursorische, Mäandernde, Improvisierte wurde so weit wie möglich beibehalten; das gleiche gilt für den Sprachduktus." Weiterhin heißt es, dass man sich entschlossen habe "[...] die spontane Antwort und das frei gesprochene Wort im Zweifelsfall stehen zu lassen und den Text weder durch gelehrte Nachbesserung noch durch die Regeln der Hochsprache ins Prokrustesbett zu zwängen." Alle Authentizitätsbekundungen sollten allerdings nicht über den artifiziellen Charakter des Gesprächs hinwegtäuschen. Schmidt: "Wir dürfen in unserem Buch nicht Stunden über Henry reden." Stern: "Sie denken doch nicht etwa schon an das Buch?" Schmidt: "Selbstverständlich." Die beiden Gesprächspartner sind sich ihrer Kunst im Dienste des Lesers also durchaus bewusst. Aus Zutaten von historischen Episoden, politischen Diskursen und lebhaften Anekdoten, garniert mit einer gehörigen Prise Selbstironie mischen die beiden Freunde einen Aperitif, der den historischen Durst keineswegs zu stillen vermag, aber erfrischend lesbar ist und Lust auf mehr macht. Dazu gehört auch, dass sie sich und dem Leser hier und da eine Pause verordnen, um sich in der Kneipe nebenan zu erholen. Geschichte life 5 von 5 PunktenGeschichte life - Helmut Schmidt garantiert authentisch und offenherzig seine Erfahrungen. Neugierig war ich auf Fritz Stern, den ich noch nicht kannte. Ich bin auf alle Fälle sehr zufrieden. |
|
|
Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder von Fritz SternBroschiert von C.H. BeckPreis bei Amazon: EUR 19,95, Angebote ab EUR 16,65 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3406568475, Erscheinungsdatum: März 2008, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionProfessor emeritus Fritz R. Stern der New Yorker Columbia Universität, Gewinner des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1999, zählt in den USA und weltweit zu den wichtigsten Historikern der jüngeren deutschen Geschichte überhaupt. Mehrfach ausgezeichnet ist Stern unter anderem auch Mitglied des deutschen Ordens "Pour le Mérite", und steht damit in einer Reihe mit bekannten Persönlichkeiten wie Johannes Brahms, Charles Darwin und Albert Einstein. Gold und Eisen, eine faszinierende kulturpsychologische Biographie Otto von Bismarcks und seines jüdischen Bankiers Gerson Bleichröder, gilt -- neben The Politics of Cultural Despair -- als Hauptwerk des stets nach Völkerverständigung strebenden deutsch-amerikanischen Historikers. Das Buch ist ein absolutes Muß für jeden Studenten der deutschen Geschichte. Hier werden die zentralen Themen behandelt: Geld und Diplomatie, Wirtschaft und Politik, Juden und Deutsche. Die zwei Figuren Bismarck und Bleichröder -- der eine preußischer Junker, der andere jüdischer Großbürger -- hätten verschiedener nicht sein können, doch ihre Schicksale waren über drei Jahrzehnte eng miteinander verbunden. Ihre komplizierte Beziehung sieht Stern als symptomatisch für das Aufeinanderprallen zweier Welten: die neue Welt des aufstrebenden Kapitalismus und kosmopolitischen Liberalismus und die alte, feudale Welt des preußischen Landadels. Die Tatsache, daß diese Welten mehr oder weniger erfolgreich vereint werden konnten, zeigt, daß man das Deutsche Kaiserreich keineswegs nur als Vorboten des Dritten Reiches sehen darf. Stern selbst sagt zum Kernthema seines Buches: "Die Wechselbeziehung zwischen psychischen und politischen Faktoren hat mich fasziniert. Es gibt nicht nur sogenannte materielle Interessen, sondern ganz besonders auch psychische. Die einen sind meist klarer als die anderen -- verschwiegen werden oft beide." Fritz Stern, der Breslauer, der in der 30er Jahren mit seinen Eltern flüchten mußte, aber dennoch vom Land seiner Geburt gefesselt ist, beobachtet deutsche Geschichte und Gegenwart aus einer Perspektive, deren Klarheit wohl erst durch den psychischen Abstand des Exils ermöglicht wurde. Stern ist inzwischen durch und durch Amerikaner, aber seit fünf Jahrzehnten hat er sich produktiv in Themen der deutschen Geschichte und Politik eingemischt. --Marven Krug 3 Kundenrezensionen:Treffender Titel für ein grosses Werk 5 von 5 Punkten"Gold und Eisen" das trifft genau. "Eisen und Blut", das wären die anderen Metaphern für die Geschichte unter Bismarck als Lenker der deutschen Einheit. Aber, es ging damals ja um viel mehr als um die nun mal notwendig gewordene Vereinigung zu einer Nation, zu einem nationalen Staat. Kleindeutsche Lösung, so ließt man es auch im Gegensatz zu der Möglichkeit, zusammen mit Österreich den "großdeutschen" Versuch angestrebt zu haben, doch die Möglichkeit folgte, wie wir wissen, später und zwar unter ganz anderen Verhältnissen. Bismarck und Bleichröder also, das ist hier die Sache, die uns angeht. Die Jüngeren (und nicht nur die!) werden, das gestehe auch ich in meinem schon vorgerückten Alter, wohl vom ersteren, weniger aber von Gerson von Bleichröder gehört haben. Die einzelnen Kapitel dieses Buches belehren uns. "Erste Begegnung: Junker und Jude", so gleich zu Anfang die Absteckung des Terrains. In drei größeren Teilen geht es über: "Der riskante Weg nach oben 1859-1871", über "Bankier für ein Kaiserreich" und über den mit "Die Versuchung der Assimilation" bezeichneten letzten größeren Teil. Was wird geboten? Der Historiker Fritz Stern, geboren in Breslau und emigriert 1938 in die USA, emeritierter Professor für Geschichte an der Columbia University und Verfasser wichtigster historischer oder besser historisch-ambitionierter Werke wie z.B. "Fünf Deutschland und ein Leben", hat sich schon 1977 mit dieser Arbeit befasst. So ist es dankenswert, dass der Verlag H.C. Beck uns Lesern die Möglichkeit einer neuen Herausgabe in Deutsch geboten hat. Denn in diesem über 7oo Seiten starken Buch mit zahlreichen Anmerkungen wird uns Heutigen die Mühe und Schwere der bewältigten Einigung Deutschlands nicht nur mit Blut und Eisen, sondern auch mit den nötigen Mitteln, nämlich Geld, vor Augen geführt. Das deutsche Reich, das in Versailles 1871 ausgerufen wurde, kostete schließlich Geld. Gerson von Bleichröder hat da großen Anteil dran, er hat es gemanagt, wie man heute sagt. In für meine Begriffe ungemein fleißigem Suchen und Aufstöbern von Ursachen und Entwicklungen anhand forschungsmäßiger Arbeit in Archiven, ist es gelungen, ein ungemein spannendes Buch zu schreiben, das in jede Bibliothek eines an deutscher Geschichte Interessierten gehört. Das sich Verbinden mit der Macht, in Verständnis der Sache, in Zuneigung und gegenseitigem Ab-und Anstoßen auch, in einzelnen Schritten zwischen zwei gleichberechtigten Männern der damaligen Stunde macht dieses Werk so einzigartig. Aber auch das sich abzeichnende Ende, der Undank und der Neid der Mitbewerber nach Erreichen der Macht in Europas Mitte, nach Abdankung des Reichkanzlers endlich, nach dere Assimilierung Bleichröders schließlich, die sich abzeichnende antisemitische oder, besser gesagt, antijüdische Entwicklung in unserem Land, alles wird behutsam und ehrlich erarbeitet. Die Assimilierung übrigens hat, wie auch anderen Juden, wenig gebracht, war aber gerade zu damaliger Zeit ab und an gebräuchlich, erstaunlich, wie ich meine. Auch an Edith Stein, ebenfalls wie Fritz Stern aus Breslau stammend, können wir erkennen, dass die Wendung hin zum Katholizismus z.B. weniger das Leben angenehmer machte als ein Ausdruck der naiven Zuwendung gewesen sein mag. Wann aber kippte die sich beginnende Annäherung von Juden und Christen? Die Zeit war doch aufgeklärt, wie man sagt. Es war eine Zeit des Aufbruchs in jeder Hinsicht. Intelligenz, Machtverhalten, Charakter, Bildung und die Entwicklung hin zur Industrialisierung in der damaligen Zeit und Welt führte zu dem, was kam und was dann noch kommen sollte. Der Teufel, will sagen, die Versuchung zu Missbrauch der Macht in dann wohl eher unbedeutenden oder, nahe besehen, bestialischen Händen, brachte das mit Mühe geflickte großartige Werk (die deutsche Einigung nämlich!) etwa 50 Jahre später zu dem, was viele heute noch Lebende erlitten haben, den nachfolgenden Generationen aber erspart bleiben möge. Die Warnungen waren immer anwesend, wenn auch versteckt. Die Zeit zwischen 1848 und 1914 barg in sich große Hoffnung. Sie trog aber auch und eine Realität folgte, die ebenfalls trügerisch war, doch eben realiter und bösartig. Den Anfängen ähnlicher Situationen sollte man wehren! Wissenschaftlich hervorragend, zugleich gut lesbar 5 von 5 PunktenDie Verflechtung von Geldmacht und politischer Macht wird an detaillierten Beispielen dargestellt. Besonders eindringlich ist die Schilderung Bleichroeders, der die Früchte seines Erfolges wegen des in auch in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen sich ausbreitenden Antisemitismus nicht genießen konnte. Ein wichtiges Buch. Interessante Zeit am Beispiel zweier Hauptakteure 5 von 5 PunktenFritz Stern zeigt uns in diesem Buch die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland anhand der Beziehung zwischen dem wichtigsten Mann dieser Zeit, Bismarck, und seinem Bankier Bleichröder. Diese beiden Akteure lernen wir hier gut kennen. Weil es noch keine Nationalbank gab, waren die Bankiers zu dieser Zeit eine entscheidende Grösse in der Politik. Gerson Bleichröder war der Stellvertreter der Rothschilds in Berlin. Die Rothschilds sassen in allen wichtigen Metropolen dieser Zeit, aber Berlin überliessen sie Bleichröder. Weil Bleichröder Jude war, erzählt dieses Buch natürlich auch die Geschichte einer schwierigen Assimilation, obwohl Bleichröder steinreich wurde und ungetauft geadelt, als erster überhaupt. Aber er lebte auch in der Zeit, als der Antisemitismus gesellschaftsfähig wurde. Die Zeit der Reichsgründung war geprägt durch den Aufbruch in eine neue technoide Zeit, der Weg zu individueller Mobilität, aber überlagert von der herkömmlichen Gesellschaft und den traditionellen Herrschaftsstrukturen, die auch in Bismarck verkörpert waren. Das wird bei Stern scharf und plastisch herausgearbeitet. Traurig natürlich der Abstieg und die Exilierung der Bleichröders. Das Taschenbuch weist zwei Fotoblöcke auf, die uns die wichtigen Akteure im Bild zeigen. Dabei sind zwei Faksimile Bilder von Briefen der Nazis über die Bleichröders, Gersons Kinder. Also, ohne zu lang zu werden: Fritz Sterns "Gold und Eisen" ist ein hervorragendes Beispiel interessanter, konkreter, tiefblickender Geschichtsschreibung. Ich ziehe solche konkreten Studien den Globalgeschichten vor, denn sie zeigen anhand eines beschränkten Themas oft mehr von einem Moment in der Geschichte. "Gold und Eisen" ist so ein Fall. Fazit: sehr empfehlenswert. |
|
|
Fünf Deutschland und ein Leben: Erinnerungen von Fritz SternGebundene Ausgabe von BeckPreis bei Amazon: EUR 29,90, Angebote ab EUR 8,69 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3406558119, Erscheinungsdatum: Sept. 2007, Auflage: 9 |
Aus der Amazon.de-RedaktionFritz Stern, 1926 in Breslau als Sohn zum Protestantismus konvertierter deutscher Juden geboren und 1938 mit seinen Eltern vor den Nazis in die USA emigriert, ist einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts. Dass er zugleich ein großer Schriftsteller ist, der fesselnd zu erzählen weiß, belegt seine überaus lesenswerte Autobiografie Fünf Deutschland und ein Leben. Darin rekapituliert Stern neben seiner eigenen Lebensgeschichte und der Geschichte seiner Familie zugleich die Geschichte der nicht weniger als fünf deutschen Staaten, die er während seines Lebens aus der Nähe und der Ferne studieren konnte. Jahrzehntelang, bekennt der Autor, habe er davor zurückgeschreckt, über seine privaten Erfahrungen zu schreiben -- er ?wollte das Fachliche und das Persönliche säuberlich getrennt halten?. Doch nachdem er zum ersten Mal wieder in seiner seinerzeit deutschen Geburtsstadt gewesen sei, die nun zu Polen gehörte, schrieb er darüber einen persönlichen Bericht für seine Kinder. Überschrieben war dieser Bericht ?Heimkehr 1979?: ein Titel, der, wie ihm später bewusst wurde, zumindest voller Ironie war, vielleicht sogar Ausdruck einer Selbsttäuschung. Dass er nach all den Jahren seine Geburtsstadt besuchte, erklärt sich der Autor damit, dass er sich wohl ?aus irgendeinem Grund davon überzeugen musste, dass mein Elternhaus zerstört war und das Land meiner Geburt nicht mehr existierte?. Sein Verlustgefühl, so der Autor weiter, sei überlagert gewesen von einer alles beherrschenden Dankbarkeit dafür, dass er in den Vereinigten Staaten eine zweite, bessere Heimat gefunden hatte. Immerhin: Mit diesem Bericht, den Stern im Einführungskapitel dieses Bandes abdruckt, hatte er erstmals sein Prinzip einer strikten Trennung von Fachlichem und Persönlichem gebrochen. Und zum Glück für uns Leser tut er dies auch in diesem Buch, dessen Lektüre sich durch die kluge und erzählerisch gekonnte Verknüpfung von fachlichem Wissen und persönlicher Erfahrungen zu einem beeindruckenden Bildungserlebnis weitet. -- Hasso Greb 4 Kundenrezensionen:Pflichtlektuere 3 von 5 PunktenHabe mit dem Buch schnell gestartet und wurde immer langsamer. Je weiter ich im Buch kam, so nachdenklicher, ja verwirrter wurde ich. Gelesen haben muss man dieses Buch, als sagen wir mal "Deutsche Geschichte als Crashkurs" ! Die Alternative waeren so ca. 15-20 andere Schmoeker. Allerdings wuenschte ich mir mehr tiefergehende und neutralere Betrachtungen. Vieles ist absolut subjektiv (immer wieder: "wir wurden gute Freunde"!) ueber die unterschiedlichen Personen dargestellt. Nichts ueber die raketenhafte Installation des Nazionalsozialismus. "Wofuer Mussolini 3 Jahre brauchte, schaffte Hitler in 3 Monaten"! Wie? Keine Antwort. Nichts ueber die Verflechtung der Finanzwelt in alle diversen Kriege. So gegen Ende des Buches erfaehrt man denn, dass FS auch Kontakte mit den Rothschilds hat. Und nur Lobhudeleien ueber Holbrook, der nahezu ueberall auf der Welt amerikanische (Oel-) Interessen mit militaerischen Mitteln durchzusetzen versucht. Nichts ueber den Umstand, dass Deutschland bis heute keine Verfassung hat (nicht zu verwechseln mit unserem Grundgesetz),dass die DDR quasi annektiert wurd, keine klaren Friedensvertraege mit anderen Staaten. Wenn mal also weiss, wie gerade im 20.Jahrhundert das "Geld regiert die Welt" brutalst von wenigen Reichen exerziert wurde, muss man enttaeuscht sein ueber dieses Buch. Und ich bin sicher, dass gerade Stern, der wirklich einen sehr weiten und interdisziplinaeren Blickwinkel hat, es besser weiss. Muss man nicht unbedingt lesen, ... 4 von 5 Punkten... ich finde aber, man sollte es lesen. Man muss es nicht lesen, wenn man auf Spannung aus ist oder auf ganz neue Enthüllungen. Man sollte es aber lesen - in der englischen Originalausgabe oder in der deutschen Übersetzung - wenn man sich für Deutschland und seine jüngere Geschichte interessiert. Dabei ist es kein Geschichtsbuch: Im Untertitel wird es zutreffend als 'personal history' angekündigt - und genau diesen Anspruch löst Stern ein. Es ist die Geschichte eines Menschen, , die Autobiographie eines Historikers, die auf vielfältige Weise mit 'Five Germanys' innerhalb des zwanzigsten Jahrhunderts verbunden ist, die er erlebt und / oder erforscht hat. Stern hat als Kind die Weimarer Republik erlebt, als Jugendlicher das Aufkommen des Faschismus, als junger Emigrant in den USA den Zweiten Weltkrieg, als Erwachsener und Wissenschaftler, die kurze Periode zwischen 1945 und 1949, "when there was no Germany", und dann die beiden deutschen Staaten während der vierzigjährigen Teilung. Und schließlich mit viel kritischer Sympathie die Wiedervereinigung und das neue vereinigte Deutschland. Doch: Wenn man die nötige Zeit für diese gut 500 Seiten hat, dann ist das ein sehr lesenswertes Buch. Spannend, lehrreich, sehr gut zu lesen 5 von 5 PunktenIch habe dieses Buch bei einem Freund gesehen und, nachdem ich darin geschmökert habe, es selbst gekauft. Es ist sehr spannend zu lesen und vermittelt viele neue Erkenntnisse über die unmittelbare Vergangenheit und Gegenwart Deutschlands. Auch die beschriebenen Persönlichkeiten aus dem persönlichen Umfeld der Familie Stern machen das Buch interessant. Hier schrieb kein "trockener" Wissenschaft ein noch "trockeneres" Buch, sondern fast eine Unterhaltungslektüre, allerdings mit realem und - besonders was die Nazizeit anbelangt - auch erschütterndem Bezug. Meine Empfehlung: Unbedingt lesen! unreflektiert 2 von 5 PunktenIch will hier nur auf die Jugend von Fritz Stern eingehen. Er hat in Breslau Schlimmes erlitten, nennt es daher nur noch mit polnischem Namen. Nun erwähnt er aber hier insbesondere seine Schulzeit auf dem Gymnasium, dessen Direktor mein Großvater Konrad Linder war. Dieser war Mitglied der bekenneden Kirche, wusste genau um die schwierige Situation der Familie Stern und hat sich alle Mühe unter Gefahr gegeben, die Schulzeit einigermaßen beschützt für ihn zu gestalten. Unvorsichtigerweise hat mein Großvater Herrn Stern dieses bei seiner Verabschiedung sogar mitgeteilt. Seine damalige Antwort gibt er selbst 70 Jahre später unreflektiert wieder. "Davon habe ich nichts gemerkt". Wir haben Herrn Stern in einem persönlichen Schreiben auf diese Tatsache hingewiesen, daraufhin hat er er die Tatsache zugegeben , auch dass seine Eltern um diemoralische Integrität meines Großvaters genau wussten,und ihn dort einigermaßen sicher aufgehoben wähnten. In seinem Buch entsteht ein ganz anderer Eindruck. Ich halte das für unfair und einem Historiker für absolut unagemessen, der damit sein eigenes Werk entwertet. |
|
|
Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht: Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert von Fritz SternGebundene Ausgabe von PantheonPreis bei Amazon: EUR 12,90, Angebote ab EUR 7,45 ISBN: 3570550133, Erscheinungsdatum: Oktober 2006 |
|
|
|
Das feine Schweigen: Historische Essays von Fritz SternGebundene Ausgabe von C.H.BeckPreis bei Amazon: EUR 17,90, Angebote ab EUR 3,35 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 340645674X, Erscheinungsdatum: Sept. 1999, Auflage: 1 |
Eine Kundenrezension:Höchst Lesenswertes zur deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts 4 von 5 PunktenVon Fritz Stern, dem gebürtigen Breslauer, der in den 30er Jahren mit seiner Familie aus Deutschland flüchtete, diesem Land zeitlebens verbunden blieb und in den USA als Professor an der New Yorker Columbia University Geschichte lehrte, konnte man Ende 2009 hören. Seine Gespräche mit dem deutschen Altbundeskanzler Helmut Schmidt, waren als Buch mit dem Titel 'Unser Jahrhundert' erschienen. Forscht man - neugierig geworden - weiter über Fritz Stern, so stößt man nicht nur auf seine zum Standardwerk avancierte Doppelbiographie von Bismarck und dessen jüdischem Bankier Gerson Bleichröder, sondern auch auf das vorliegende 173 seitige Buch. Darin enthalten sind fünf von Stern in den 90er Jahren in Basel, Berlin, München, im englischen Cambridge und an der berühmten neuenglischen Yale University gehaltene für die Druckfassung überarbeitete Vorträge. Wie es sich für einen ordentlichen Historiker gehört, werden diese von einem Vorwort, mehrseitigen Anmerkungen und Quellenangaben eingerahmt. Allen Essays gemein ist die Thematik des ,feinen Schweigens', also des Schweigens der Gesellschaft, der Machthaber und Politiker über Unrecht, aber auch der Verzerrung der Wahrheit bis hin zur erzwungenen Verlogenheit. Sterns historische Analysen beziehen sich auf die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und hier vor allem die deutsche Geschichte. Der erste Vortrag dreht sich um den Schweizer Historiker Jacob Burckhardt und seine historisch begründete Zeitkritik, in der auch das Weg- oder Falschsehen eine Rolle spielt. Im anschließenden Essay geht es um den berühmten deutschen Physiker Max Planck, der sich, obschon er sein Leben dem Ziel der Wahrheit widmete, am Ende unter dem Druck der nationalsozialistischen Realität zum Schweigen über die Wahrheit genötigt sah ("Wenn heute dreißig protestieren, kämen morgen hundertfünfzig, die auf ihre Stellen wollten."). Der am King's College in England gehaltene Vortrag ,Tod in Weimar' erinnert an den Kampf um Aufklärung gegen Schweigen und Verschweigen und an die Zufälle, die in der Geschichte so wichtig sind, wie den zu frühen Tod von Max Weber, Ernst Troeltsch, Friedrich Ebert und Gustav Stresemann, deren Fortleben der Stabilität der Weimarer Republik gut getan hätte. Der längere Beitrag ,Die erzwungene Verlogenheit' beleuchtet die Taktik der Wahrheitsunterdrückung und - verzerrung in Deutschland und Europa in der Zeit von 1914 bis 1989. Dabei ist auch von einigen Hoffnung weckenden Ereignissen die Rede. Im letzten Essay ,Das feine Schweigen und seine Folgen' sinniert Stern darüber, wie es kam, dass so viele ehrliche Einsichten, wie jene im Oktober 1918 des patriotischen Gelehrten Friedrich Meinecke, der sich angesichts des Kriegsendes über die deutschen Gewaltpolitiker empört, "die uns durch ihre Überhebung und ihre Dummheit in diesen Abgrund gerissen haben", so selten an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Dies hätte der Dolchstoßlegende und damit der Argumentation vieler Gegnern der Weimarer Republik den Boden entzogen. Manchmal eskaliert feines Schweigen eben auch zum feigen Schweigen der Menschen. Fazit: Vorzügliches Plädoyer eines deutsch-amerikanischen Historikers für das Aussprechen der Wahrheit, auch wenn es weh tut. Gleichzeitig wird der Leser durch Sterns souveräne historische Analyse zu vielen neuen Einsichten über die Geschichte Europas und Deutschlands im 20. Jahrhundert gelangen. |
|
|
Fünf Deutschland und ein Leben von Fritz SternAudio CD von Hoffmann und CampePreis bei Amazon: EUR 29,95, Angebote ab EUR 8,50 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3455305997, Erscheinungsdatum: Sept. 2008 |
Aus der Amazon.de-RedaktionFritz Stern, 1926 in Breslau als Sohn zum Protestantismus konvertierter deutscher Juden geboren und 1938 mit seinen Eltern vor den Nazis in die USA emigriert, ist einer der bedeutendsten Historiker des 20. Jahrhunderts. Dass er zugleich ein großer Schriftsteller ist, der fesselnd zu erzählen weiß, belegt seine überaus lesenswerte Autobiografie Fünf Deutschland und ein Leben. Darin rekapituliert Stern neben seiner eigenen Lebensgeschichte und der Geschichte seiner Familie zugleich die Geschichte der nicht weniger als fünf deutschen Staaten, die er während seines Lebens aus der Nähe und der Ferne studieren konnte. Jahrzehntelang, bekennt der Autor, habe er davor zurückgeschreckt, über seine privaten Erfahrungen zu schreiben -- er ?wollte das Fachliche und das Persönliche säuberlich getrennt halten?. Doch nachdem er zum ersten Mal wieder in seiner seinerzeit deutschen Geburtsstadt gewesen sei, die nun zu Polen gehörte, schrieb er darüber einen persönlichen Bericht für seine Kinder. Überschrieben war dieser Bericht ?Heimkehr 1979?: ein Titel, der, wie ihm später bewusst wurde, zumindest voller Ironie war, vielleicht sogar Ausdruck einer Selbsttäuschung. Dass er nach all den Jahren seine Geburtsstadt besuchte, erklärt sich der Autor damit, dass er sich wohl ?aus irgendeinem Grund davon überzeugen musste, dass mein Elternhaus zerstört war und das Land meiner Geburt nicht mehr existierte?. Sein Verlustgefühl, so der Autor weiter, sei überlagert gewesen von einer alles beherrschenden Dankbarkeit dafür, dass er in den Vereinigten Staaten eine zweite, bessere Heimat gefunden hatte. Immerhin: Mit diesem Bericht, den Stern im Einführungskapitel dieses Bandes abdruckt, hatte er erstmals sein Prinzip einer strikten Trennung von Fachlichem und Persönlichem gebrochen. Und zum Glück für uns Leser tut er dies auch in diesem Buch, dessen Lektüre sich durch die kluge und erzählerisch gekonnte Verknüpfung von fachlichem Wissen und persönlicher Erfahrungen zu einem beeindruckenden Bildungserlebnis weitet. -- Hasso Greb 4 Kundenrezensionen:Pflichtlektuere 3 von 5 PunktenHabe mit dem Buch schnell gestartet und wurde immer langsamer. Je weiter ich im Buch kam, so nachdenklicher, ja verwirrter wurde ich. Gelesen haben muss man dieses Buch, als sagen wir mal "Deutsche Geschichte als Crashkurs" ! Die Alternative waeren so ca. 15-20 andere Schmoeker. Allerdings wuenschte ich mir mehr tiefergehende und neutralere Betrachtungen. Vieles ist absolut subjektiv (immer wieder: "wir wurden gute Freunde"!) ueber die unterschiedlichen Personen dargestellt. Nichts ueber die raketenhafte Installation des Nazionalsozialismus. "Wofuer Mussolini 3 Jahre brauchte, schaffte Hitler in 3 Monaten"! Wie? Keine Antwort. Nichts ueber die Verflechtung der Finanzwelt in alle diversen Kriege. So gegen Ende des Buches erfaehrt man denn, dass FS auch Kontakte mit den Rothschilds hat. Und nur Lobhudeleien ueber Holbrook, der nahezu ueberall auf der Welt amerikanische (Oel-) Interessen mit militaerischen Mitteln durchzusetzen versucht. Nichts ueber den Umstand, dass Deutschland bis heute keine Verfassung hat (nicht zu verwechseln mit unserem Grundgesetz),dass die DDR quasi annektiert wurd, keine klaren Friedensvertraege mit anderen Staaten. Wenn mal also weiss, wie gerade im 20.Jahrhundert das "Geld regiert die Welt" brutalst von wenigen Reichen exerziert wurde, muss man enttaeuscht sein ueber dieses Buch. Und ich bin sicher, dass gerade Stern, der wirklich einen sehr weiten und interdisziplinaeren Blickwinkel hat, es besser weiss. Muss man nicht unbedingt lesen, ... 4 von 5 Punkten... ich finde aber, man sollte es lesen. Man muss es nicht lesen, wenn man auf Spannung aus ist oder auf ganz neue Enthüllungen. Man sollte es aber lesen - in der englischen Originalausgabe oder in der deutschen Übersetzung - wenn man sich für Deutschland und seine jüngere Geschichte interessiert. Dabei ist es kein Geschichtsbuch: Im Untertitel wird es zutreffend als 'personal history' angekündigt - und genau diesen Anspruch löst Stern ein. Es ist die Geschichte eines Menschen, , die Autobiographie eines Historikers, die auf vielfältige Weise mit 'Five Germanys' innerhalb des zwanzigsten Jahrhunderts verbunden ist, die er erlebt und / oder erforscht hat. Stern hat als Kind die Weimarer Republik erlebt, als Jugendlicher das Aufkommen des Faschismus, als junger Emigrant in den USA den Zweiten Weltkrieg, als Erwachsener und Wissenschaftler, die kurze Periode zwischen 1945 und 1949, "when there was no Germany", und dann die beiden deutschen Staaten während der vierzigjährigen Teilung. Und schließlich mit viel kritischer Sympathie die Wiedervereinigung und das neue vereinigte Deutschland. Doch: Wenn man die nötige Zeit für diese gut 500 Seiten hat, dann ist das ein sehr lesenswertes Buch. Spannend, lehrreich, sehr gut zu lesen 5 von 5 PunktenIch habe dieses Buch bei einem Freund gesehen und, nachdem ich darin geschmökert habe, es selbst gekauft. Es ist sehr spannend zu lesen und vermittelt viele neue Erkenntnisse über die unmittelbare Vergangenheit und Gegenwart Deutschlands. Auch die beschriebenen Persönlichkeiten aus dem persönlichen Umfeld der Familie Stern machen das Buch interessant. Hier schrieb kein "trockener" Wissenschaft ein noch "trockeneres" Buch, sondern fast eine Unterhaltungslektüre, allerdings mit realem und - besonders was die Nazizeit anbelangt - auch erschütterndem Bezug. Meine Empfehlung: Unbedingt lesen! unreflektiert 2 von 5 PunktenIch will hier nur auf die Jugend von Fritz Stern eingehen. Er hat in Breslau Schlimmes erlitten, nennt es daher nur noch mit polnischem Namen. Nun erwähnt er aber hier insbesondere seine Schulzeit auf dem Gymnasium, dessen Direktor mein Großvater Konrad Linder war. Dieser war Mitglied der bekenneden Kirche, wusste genau um die schwierige Situation der Familie Stern und hat sich alle Mühe unter Gefahr gegeben, die Schulzeit einigermaßen beschützt für ihn zu gestalten. Unvorsichtigerweise hat mein Großvater Herrn Stern dieses bei seiner Verabschiedung sogar mitgeteilt. Seine damalige Antwort gibt er selbst 70 Jahre später unreflektiert wieder. "Davon habe ich nichts gemerkt". Wir haben Herrn Stern in einem persönlichen Schreiben auf diese Tatsache hingewiesen, daraufhin hat er er die Tatsache zugegeben , auch dass seine Eltern um diemoralische Integrität meines Großvaters genau wussten,und ihn dort einigermaßen sicher aufgehoben wähnten. In seinem Buch entsteht ein ganz anderer Eindruck. Ich halte das für unfair und einem Historiker für absolut unagemessen, der damit sein eigenes Werk entwertet. |
|
|
Kulturpessimismus als politische Gefahr: Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland von Fritz SternGebundene Ausgabe von Klett-CottaPreis bei Amazon: EUR 24,90, Angebote ab EUR 19,51 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3608941363, Erscheinungsdatum: Oktober 2005, Auflage: 1., Aufl. |
Eine Kundenrezension:Von pessimistischer Ideengeschichte im 19. Jahrhundert zum Totalitarismus 4 von 5 PunktenFritz Sterns Analyse nationaler Ideologien in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert gehört bereits zu den grundlegenden Fachbüchern zu diesem Thema, sofern man es nicht gleich als Standardwerk bezeichnen will, da es in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts geschrieben bis heute seine Aktualtität keineswegs verloren hat. Dabei bezeichnend ist Sterns klare und schlüssige Schilderungsweise, die die Wechselfälle und Widersprüche der deutschen Ideen- und Geistesgeschichte im Kontext ihrer sozialen, politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dieser Zeit überaus nahe bringt. Er macht dabei diese Geschichte an verschiedenen Persönlichkeiten fest, die für die Entstehung dieser Ideengeschichte und des deutschen Totalitarismus als verantwortlich zu bezeichnen sind. Dieses Buch ist eines der wichtigsten Standardwerke zu diesem Thema geblieben, das prognostizierende bzw. diagnostizierende Kraft für heutige drohende oder bestehende Kulturkämpfe haben kann. Und ein Buch, das nicht zuletzt in seiner sehr guten Lesbarkeit überzeugt. Schön, dass das Buch wieder erschienen ist und nicht mehr antiquarisch gesucht werden muss. |
|
|
Verspielte Größe. Essays zur Deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts von Fritz SternTaschenbuch von C.H. Beck VerlagPreis bei Amazon: EUR 12,90, Angebote ab EUR 3,75 ISBN: 340649420X, Erscheinungsdatum: Sept. 2002, Auflage: 3. Aufl. |
|
|
|
Unser Jahrhundert: Ein Gespräch von Helmut Schmidt, Fritz SternAudio CD von Der Audio Verlag, DavPreis bei Amazon: EUR 19,97, Angebote ab EUR 14,80 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3898139786, Erscheinungsdatum: März 2010 |
Aus der Amazon.de-RedaktionNicht schon wieder! Gibt es denn außer Helmut Schmidt (oder Richard von Weizsäcker) wirklich niemanden, der kompetent und umfassend über das 20. Jahrhundert Auskunft zu geben vermag? Bei aller Wertschätzung ist der Altkanzler doch nun wirklich im vergangenen Jubeljahr anlässlich seines Neunzigsten mehr als ausführlich zu Wort gekommen. Doch gemach! Schließlich hat da ja noch ein Anderer am Gesprächstisch gesessen. Und was für einer. Nicht ganz so alt an Jahren zwar, aber was Weisheit und Lebenserfahrung angeht, seinem Gesprächspartner in jeder Hinsicht ebenbürtig. Zudem als Sprössling einer deutsch-jüdischen Emigrantenfamilie und als führender US-Historiker sozusagen qua Geburt und Profession Experte für alles, was das zurückliegende Jahrhundert an Leben, Leiden und Lehren bereithielt. Dementsprechend handelt es sich bei dem Gespräch, das hier dokumentiert wird, um alles andere als um den Austausch von Höflichkeiten und das Schwelgen zweier Greise in den Erinnerungen an gute wie schlechte, alte Zeiten. Zwar ist Fritz Stern seinem unverhohlen bewunderten Gegenüber seit über drei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden. Doch die Beziehung der Beiden ist nicht zuletzt aufgrund der geographischen Distanz dann doch nicht so innig, als dass der Eine den Anderen ohnehin in- und auswendig kennt. Davon kann der Leser profitieren. Denn so entspinnt sich eine äußerst lebhafte Diskussion, weit davon entfernt, sich gegenseitig nur mit Stichworten zu bedienen. Hier sitzen sich zwei Persönlichkeiten auf Augenhöhe gegenüber. Gleichermaßen belesen und eloquent, scheuen sie auch nicht davor zurück, dem Anderen Paroli zu bieten oder sogar in die Parade zu fahren ? was sich ja insbesondere in Anbetracht der berühmt berüchtigten Apodiktik Helmut Schmidts in einem echten Disput kaum vermeiden lässt. Geradezu rührend andererseits, wie Fritz Stern in solchen Fällen den Freund behutsam aber bestimmt auf den Boden zurückholt, wenn sich der einmal verstiegen hat: wenn er beispielsweise das Hohelied auf den Keynesianismus des NS-Chefökonomen Hjalmar Schacht anstimmt oder über die genetische Disposition der Deutschen zum Massenmord sinniert. Insgesamt eine ebenso spannende wie lehrreiche Geschichtsstunde, in der nicht nur die Vergangenheit Revue passiert, sondern auch die Probleme der Gegenwart nicht zu kurz kommen. ? Arnold Abstreiter 4 Kundenrezensionen:Ein großes Vergnügen! 5 von 5 PunktenEines vorweg: die heutigen "Spezialdemokraten" haben mit Helmut Schmidt (leider) so gar nichts mehr gemeinsam! Wer nur ein bißchen geschichts- und politikinterssiert ist, wird mit diesem famosen Buch auf seine Kosten kommen. Der spürbare Respekt des einen vor dem anderen, der selbst gesetzte Rahmen (Zeiten, Ort), all das macht die Lektüre angenehm, höchst informativ und kurzweilig. Politisch kann man stehen wo man will, es nötigt Respekt ab, WIE die beiden Protagonisten Schlüsse ziehen, Meinungen vertreten, streiten und voraus blicken. Bin begeistert! Lebensweisheit und gelebte Geschichte 5 von 5 PunktenDrei Tage nahmen sich zwei alte Freunde im Jahre 2009 Zeit, um ein Gespräch zu führen. Ein besonderes Gespräch, dessen Besonderheit allein schon in den beiden miteinander sprechenden Personen zu finden ist. Fritz Stern, Historiker und Helmut Schmidt, Altbundekanzler und anerkannter Elder Statesman mit hoher internationaler Reputation. Drei Vormittag und drei Nachmittage, in denen sie gemeinsam das 20 Jahrhundert Revue passieren lassen. Je ihre Erfahrungen und Interpretationen der Zeitgeschehnisse im Gespräch miteinander teilen, bewerten und mögliche Lehren aus der Geschichte gemeinsam ziehen. Vom "Maulhelden" Kaiser Wilhelm II (H.Schmidt) über vertane Chancen der Weimarer Republik, über die Zeit des zweiten Weltkrieges, die junge Bundesrepublik, das transatlantische Bündnis, das zueinander wachsende Europa bis zur Gegenwart. Zwei Freunde, die es beide verstehen, pointiert auf den Punkt genau zu argumentieren und die beide aus einem hohen Sachverstand einerseits und einer reichhaltigen Fülle von Lebenserfahrungen andererseits zu schöpfen vermögen. Beste Zutaten und Voraussetzungen also für einen weiten und breiten Blick auf festem Fundament. Voraussetzungen, die beide nicht .enttäuschen, ganz im Gegenteil. Selten öffnete der privat eher wenig zugängliche Helmut Schmidt den Blick in der hier vorliegenden, intensiven Form auf seine Kriegsjahre. Erfahrungen, Erlebnisse, Bewertungen, in denen er sich mit Fritz Stern durchaus einig ist. Eine Einigkeit, die natürlich bei zwei solche eigenständige Charakterköpfen sich nicht über alle Themen des Buches hinweg zieht. In der Bewertung des schriftlichen Nachlasses Helmut Schmidts vertreten beide andere Standpunkte, ebenso, und das fundamental, in der Bewertung des Verhältnisses der deutschen Bevölkerung der Nazi Zeit im Blick auf den Holocaust. Stern beharrt, völlig zu Recht, auf einem "Gewusst haben müssen" der Deutschen der damaligen Zeit. Gerade die eigenständig und jeweils persönliche Stärke beider Beteiligter ist der besondere Reiz dieses Gespräches. Allzu oft treten Interviewer und Moderatoren Helmut Schmidt äußerst servil gegenüber, kaum mehr als reine Stichwortgeber. Sicher hat es immer einen Reiz, Vorträge aus dem Mund des großen Mannes zu hören und natürlich ist auch in diesem Buch allzeit die Persönlichkeit des Altbundeskanzlers präsent, so sehr, dass man fast vermeint, ihn sprechen zu hören, während man liest. Hier aber hört (liest) man ihn in einem Gespräch auf Augenhöhe. Eigenständige Erinnerungen, Argumente, Beiträge, Betrachtungen kommen von beiden Seiten, ein lebhafter Austausch, der zu keiner Zeit langweilig wird. Eine Lebhaftigkeit durchzieht das Buch, die allzeit zu spüren ist. Assoziationen treten neben altbekannte und geschliffene Formulierungen, ein gegenseitiges Herantasten an manchen Stellen (das heikle Thema Israel) stehen neben Gesprächsabschnitten fast im Vortragsstil. Dass vor allem Helmut Schmidt, letztlich aber beide Gesprächspartner keine sonderliche hohe Meinung von der gegenwärtigen politischen Lage und den handelnden Politikern besitzen, wird zudem äußerst deutlich. Ein hervorragendes, zeitgeschichtliches Dokument zweier starker Menschen, die sich auf Augenhöhe in entspannter Form begegnen und eine Fülle informativer und fundierter Betrachtungen ihrer gelebten Lebensgeschichte und der vielen daran Beteiligten Personen in den Raum stellen. Zudem zweier Persönlichkeiten, die klare Standpunkte und begründete Meinungen offensiv vertreten. Ein Gewaltmarsch durch die Geschichte unseres Jahrhunderts 4 von 5 PunktenDie Helmut Schmidt Welle rollt weiter und jedes Apercu des hanseatischen Altkanzlers hat mittlerweile Offenbarungscharakter. Nach Erfolgstiteln wie "Außer Dienst" und den "Zigarettengesprächen" mit Giovanni di Lorenzo sieht sich deshalb auch der Beck Verlag in der unternehmerischen Pflicht, die Galionsfigur der politischen Öffentlichkeit noch einmal zu Wort kommen zu lassen. Die fühlt sich in den Verlagsräumen als Mitherausgeber einer historischen Reihe ohnehin heimisch. Und so überrascht es kaum, dass sich "Unser Jahrhundert" mittlerweile seit Wochen hartnäckig in den Bestsellerlisten hält. Für dieses Projekt hat sich der beliebteste Kettenraucher und Aufklärer der Republik einen würdigen Gesprächspartner eingeladen. Der renommierte Historiker Fritz Stern wurde 1926 als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Arztes in Breslau geboren und emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten. An der Columbia University avancierte er zur Koryphäe auf dem Gebiet der Neueren Geschichte. Die Versuchsanordnung ist ebenso einfach wie einträglich: Bewaffnet mit einigen Notizen fanden sich die Freunde im Sommer 2009 in der Schmidtschen Residenz am Brahmsee ein. Es folgte ein dreitägiger Gesprächsmarathon, der auf Anraten der Journalisten Nina Grunenberg aufgezeichnet wurde. Hieraus entstanden knapp dreihundert Seiten mit dem ebenso lakonischen wie ehrgeizigen Titel Unser Jahrhundert. Mit epikureischer Weitsicht begeben sich die beiden Weltbeobachter auf einen Gewaltmarsch durch die Geschichte, der seinesgleichen sucht. So spannen sie einen Bogen vom Scheitern der Weimarer Republik über die Rolle der USA beim Wiederaufbau Europas bis hin zur deutschen Wiedervereinigung. Ganz nebenbei thematisieren sie unter anderem die Finanzierung des Sozialstaats, erörtern die Dimensionen der Finanzkrise und spekulieren über die Rolle der Deutschen in der EU. Im Vordergrund steht dabei immer das Verhältnis zwischen deutscher und amerikanischer Politik, so etwa beim Vergleich der amerikanischen Verfassung mit dem deutschen Grundgesetz. Die immense Sach- und Personenkenntnis der beiden sind bisweilen so gewaltig, dass sich der schwindelige Lesern gern an seinem Brockhaus festklammern möchte. Von Montesquieu bis Ahmadinedschad, von Alexander dem Großen zu "Wie heißt er noch?"- Guido Westerwelle, hier wird einem jeden sein Platz zugeteilt. Angesichts der aufwendigen Ausstattung des Buches wäre ein Glossar aber wohl nicht zu viel verlangt gewesen. Sowohl der Pragmatiker Schmidt als auch der Theoretiker Stern machen keinen Hehl daraus, dass ihre Urteile nicht bis ins Letzte begründet sind und dass der Text keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Insofern ist Unser Jahrhundert kein Geschichtsbuch, sondern ein Plädoyer für Geschichtsbewusstsein. Hier debattieren zwei Zeitzeugen, die um Ihre Erfolge und Fehler wissen und auch nicht davor zurückscheuen, mit sich selbst und anderen hart ins Gericht zu gehen. So offenbart Schmidt: "Es gehört zum politischen Handwerk, das man über Lügen hinwegpfuscht." Stern: "Haben Sie das auch getan?" Schmidt: "Natürlich. Nur Professoren haben das nicht nötig." Entsprechend authentisch und sympathisch wirken die beiden Monumente ihrer Zeit, wenn sie auch vor heiklen Themen nicht die Augen verschließen und ihrerseits nach Antworten ringen. Gab es einen spezifisch deutschen Antisemitismus? Wie war der Holocaust mitten in Europa überhaupt möglich? Diese Fragen bilden den Kern des Gesprächs und führen den Leser tief hinein in die deutsche Geschichte von Preußen nach Weimar, vom Primat des Militärischen bis zum Versailler Vertrag. Der Politiker und der Historiker liefern verschiedenste Erklärungsversuche, geraten in Dissens über die Mitwisserschaft der Deutschen an den nationalsozialistischen Verbrechen und müssen schließlich doch vor der Nichterklärbarkeit kapitulieren. Angesichts der jüngsten politischen Ereignisse fällt auch auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ein neues Licht. In Abgrenzung zur amtierenden Regierung betont Schmidt, dass Deutschland keine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe. Zwar scheut er sich nicht vor ignoranten Anfeindungen, weiß aber um die politische Brisanz und schlägt vor: "Lassen Sie uns das Thema verlassen, Fritz, da kommt nichts Positives mehr raus." Auch wenn sich hinter dieser und ähnlichen Äußerungen eine gewisse Resignation vermuten ließe wird deutlich, dass man hier keiner Elegie eines Kulturpessimisten lauscht. Aus seinem Geschichtsbewusstsein heraus betont Schmidt geradezu die Neugierde auf die Gegenwart und seine Lust an der Einmischung. Wenn diese hier und da einmal zu plakativ daherkommt, wagt es der Historiker auch schon einmal, der Schmidt-Show Einhalt zu gebieten, was der Qualität des Gesprächs zu Gute kommt. Zum Untertitel "Ein Gespräch" liest man im Nachwort: "Alles aber was ein lebendiges Gespräch ausmacht, das Kursorische, Mäandernde, Improvisierte wurde so weit wie möglich beibehalten; das gleiche gilt für den Sprachduktus." Weiterhin heißt es, dass man sich entschlossen habe "[...] die spontane Antwort und das frei gesprochene Wort im Zweifelsfall stehen zu lassen und den Text weder durch gelehrte Nachbesserung noch durch die Regeln der Hochsprache ins Prokrustesbett zu zwängen." Alle Authentizitätsbekundungen sollten allerdings nicht über den artifiziellen Charakter des Gesprächs hinwegtäuschen. Schmidt: "Wir dürfen in unserem Buch nicht Stunden über Henry reden." Stern: "Sie denken doch nicht etwa schon an das Buch?" Schmidt: "Selbstverständlich." Die beiden Gesprächspartner sind sich ihrer Kunst im Dienste des Lesers also durchaus bewusst. Aus Zutaten von historischen Episoden, politischen Diskursen und lebhaften Anekdoten, garniert mit einer gehörigen Prise Selbstironie mischen die beiden Freunde einen Aperitif, der den historischen Durst keineswegs zu stillen vermag, aber erfrischend lesbar ist und Lust auf mehr macht. Dazu gehört auch, dass sie sich und dem Leser hier und da eine Pause verordnen, um sich in der Kneipe nebenan zu erholen. Geschichte life 5 von 5 PunktenGeschichte life - Helmut Schmidt garantiert authentisch und offenherzig seine Erfahrungen. Neugierig war ich auf Fritz Stern, den ich noch nicht kannte. Ich bin auf alle Fälle sehr zufrieden. |
|
...
Impressum
• Kontakt
• Startseite
• Produktkategorien
• Geschenkgutscheine
•
Auf diesen Link bitte nicht klicken Webentwicklung Bollywood Spiele Astro
Auf diesen Link bitte nicht klicken Webentwicklung Bollywood Spiele Astro
Gewisse Inhalte, die auf dieser Website erscheinen, stammen von AMAZON EU SARL.
Diese Inhalte werden so, wie sie sind zur Verfügung gestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.


